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The Shire Horse Society Spring Show
England spontan geht auch ...
Schon oft habe ich mit dem Gedanken gespielt nach England zu reisen und die Shire Horse Society Spring Show in Peterborough in England zu erleben. Immer wieder gab es Gründe, die gegen dieses Vorhaben sprachen. Ich reiste nicht und schaute den Reisenden traurig nach. So ging ein Jahr nach dem anderen ins Land bis mein Leben sich komplett veränderte.
Nun bestand eine potentielle Möglichkeit, meinen großen Wunsch in die Tat umzusetzen. Wir begannen mit den Planungen, aber wieder gab es Gründe, die gegen eine Reise sprachen und wir entschieden uns für das Jahr 2012 zu planen. Wehmütig fügte ich mich dieser Entscheidung, doch im Leben kommt es oft anders als man denkt. Manchmal ist das schlecht und in diesem Fall war es sehr genial.
Aus Krankheitsgründung konnten Bekannte von uns ihre Reise nach England nicht antreten. Davon erzählte uns Jenny. Danach begann eine wilde Organisation: Kind, Pferd, Hund, Katze, Maus mussten sicher untergebracht sein. Nach erfolgreicher Organisation entwickelte sich eine unbändige Vorfreude auf England. Die nächsten zwei Tage konnten nicht schnell genug vorüber gehen.
Die Anreise...
Am Freitagabend ging es endlich gegen sieben Uhr los. Bis Frankreich lief es prima, kaum Verkehr auf den Straßen. Wir lagen ganz gut in der Zeit und hofften auf eine Fähre um halb eins. Doch dann machte sich Verwirrung breit: Sollten wir dem ersten Fähre Hinweisschild von der Autobahn folgen oder doch lieber bis Calais fahren? Leider entschieden wir uns für die falsche Variante und landeten bei dem falschen Fähranbieter. Dort war die letzte Fähre gerade abgefahren und die nächste sollte erst um vier Uhr gehen. Also ab ins Auto und so schnell es ging nach Calais, um die richtige Fähre zu erwischen. Doch das Pech pappte so fest es ging an uns. Bei dem Fähranbieter P&O hieß es, die nächste Fähre ginge um zehn vor zwei. Dieser Patzer kostete uns viel Zeit. Wir machten das Beste daraus und nutzten die Gelegenheit, um auf Wartestreifen 10 ganz vorne in der ersten Reihe zu picknicken.
Auf der Fähre suchten wir uns ein flauschiges Sofa und versuchten ein bisschen Schlaf nachzuholen. Von der Überfahrt haben wir nichts mitbekommen. Endlich in England von der Fähre zu fahren war erst mal ein tolles Gefühl. Naja, bis zu dem Zeitpunkt, wo ich mich darauf konzentrieren musste, links zu fahren. Nach den ersten Kreisverkehren und einiger Verwirrung wurde es aber zunehmend besser. Die weitere Anreise verlief eigentlich ganz gut. Zumindest bis wir die Ausfahrt auf den M 11 verpassten und es erst nach einiger Zeit in unseren total übermüdeten Gehirnen durchsickerte. Mittlerweile ging die Sonne langsam auf, was wundervoll schön war, wir aber nun endlich ankommen wollten.
Nach dem einen oder anderen Nervenzusammenbruch – nun waren wir endlich in Peterborough, fanden aber das Hotel nicht - konnten wir auch endlich das Hotel auftreiben. Endlich war es geschafft – Denkste! Mittlerweile war es sieben Uhr morgens (unsere Zeitrechnung), wir waren nun 12 Stunden unterwegs und der Typ am Tresen konnte unsere Buchung nicht finden. Also musste die arme Jenny dran glaube und ich klingelte sie aus dem Bett. Jetzt konnte der Mensch am Tresen auch unsere Buchung finden, wollte aber den aktuellen Preis von uns haben. Ich dachte, ich würde jetzt vollkommen die Fassung verlieren, aber stattdessen wandelte sich die Verzweiflung in inneren Wahnsinn um. Das war bestimmt ein schlechter Film. Das Ende vom Lied war, dass wir den Buchungspreis dank Jennys Einsatz zahlen konnten, mussten aber 100 Pfund als Kaution da lassen. Warum auch immer?! Ich wollte nur ins Bett und schlafen…
Endlich die Show und die Shires erleben...
Lange hielt es uns im Hotel aber nicht. Nach zwei Stunden Komaschlaf trieb uns die Neugier aus dem Bett, unter die Dusche und dann auf den Showground. Allein an dem Ort anzukommen, den ich schon so oft auf Bildern gesehen hatte, war toll. Endlich stand ich dort, so wie ich es mir immer vorgestellt habe – mit einem ganz besonderen und wertvollen Menschen an meiner Seite. Die ersten Pferde erblickte ich bereits bevor wir den Haupteingang passierten und ich konnte nicht schnell genug in die Halle kommen. Am Eingang wurden wir sehr freundlich begrüßt. Die ersten Klassen hatten wir schon verpasst, aber das war mir egal, endlich war ich da. Es war schon einiges los, aber wir konnten noch einen Platz an der Bande ergattern. Über den Tag sahen wir viele tolle Hengste, die kunstvoll eingeflochten waren und eine tolle Ausstrahlung hatten. Es waren richtig mächtige Giganten dabei, einfach irre. Ich kam mir wie ein Hund vor, dem vor lauter Begeisterung über das tolle Futter, die Sabber aus dem Maul läuft. Nur mit dem Unterschied, dass ich mich über die Pferde freute. Ich habe bestimmt sehr lustig ausgesehen.
Leider gab es auch die eine oder andere Sache, die mir nicht so gut gefiel. Es gab teilweise grauenhafte Beschläge. Eisen, die außen um mehr als einen Zentimeter überstanden, Risse in den Hufen. Sehr gefreut hat es mich, auch viele Hufe zu stehen, die sich in guten Zuständen befanden. Nicht so gut gefallen hat mir, dass auch ganz junge Pferde beschlagen wurden. Auffällig waren manche Pferde aufgrund eines gestörten Bewegungsablaufes. Es gab Taktverschiebungen und Auffälligkeiten vor allem an der Hinterhand. Mir kam es so vor als ob dies kaum Berücksichtigung bei der Bewertung gefunden hat. Das ist sehr schade und bedauerlich.
Neben dem Bewundern der Pferde in der Show und in den Boxen, stellte mich Torsten vielen seiner englischen Freude vor. Ich lernte Angela kennen, die die Papierangelegenheiten des SHS regelt. Nigel und seine Frau wurden mir vorgestellt. Nigel ist ein langjähriger Züchter und ein sehr guter Freund von Torsten, dem das Schicksal in der vergangenen Zeit übel mitgespielt hatte und der dem Tot knapp von der Schüppe gesprungen ist. Er stellte zum ersten Mal nach seinem schlimmen Unfall wieder ein Pferd vor. Torsten stellte mir noch so viele Menschen vor, von denen ich schon so viel gehört hatte, mir aber ihre Namen nicht merken konnte. Es war spannend endlich Gesichter zu den Namen kennen zu lernen, aber leider konnte ich mir nicht alle merken.
Neben den Ständen in der Halle gab es auf der Außenanlage noch einen kleinen Markt mit einem echt putzigen Karussell. Wir hatten herrliches Wetter und frühstückten am Samstag in der Sonne und schlemmten ein englisches Frühstück.
Besonders spannend wurde es als die Klasse der Althengste gerichtet wurde. Ich konnte mich überhaupt nicht satt sehen. Besonders hat es mir ein Schimmelhengst angetan. T. Timm nahm an dieser Klasse mit seinem Hengst Major teil und ergatterte eine tolle Platzierung. Da macht es mich gleich doppelt stolz einmal, das wir einen tollen Hengst bei uns in Deutschland haben, der in England so gut abschneidet und dann auch noch die Tatsache, dass er der Bruder zu meiner Luci ist.
Nach diesem super Tag sind wir abends noch in einen lustigen Pub gegangen. Total urig, man bekam einen Kochlöffel, auf den die Bestellungen gebucht wurden. Durch die Karte musste ich mich erst mal durchfragen. Das Essen war total lecker, aber leider sehr wenig.
Wir sind recht früh im Hotel verschwunden, da mich abends der Schlafmangel einholte und ich nur noch passiv am Tisch hockte und versuchte wach zu bleiben.
Der zweite Tag...
Auf der Showground angekommen waren bereits die Stutenklassen im Gange. Es waren sehr viele dabei, die mir richtig gut gefielen. Heute nahmen wir uns auch Zeit etwas länger durch die Stallungen zu bummeln und mit dem ein oder anderen zu plauschen, den Torsten lange nicht gesehen hatte. Wir schauten zu, wie eine mächtige Stute fertig gemacht wurde. Ich versuchte so viel an Einflechttricks wie möglich aufzusaugen und mir zu merken. Diese Stute war unglaublich riesig. Sie wirken schon so groß, wenn man sie im Ring sieht, aber wenn man daneben steht, da kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Als das Halfter aufgezogen werden sollte, musste der Einflechter sogar auf eine Bank steigen, so groß war diese Stute.
Diese Klasse wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen, so dass wir uns schnell wieder auf den Weg in die Halle machten. Langsam taten mir echt alle Knochen vom langen Stehen weh, also setzen wir uns auf die Tribüne. Von dort hatte man eine ganz andere Perspektive auf die Pferde.
Heimreise...
Schneller als uns lieb war, ging die Zeit um und wir mussten leider vor dem Ende dieser Klasse aufbrechen. Wir verabschiedeten uns von allen, die wir noch erwischten und machten uns auf den Heimweg. Dieser verlief sehr problemlos und verging wie im Flug. Wir hatten so viel zu erzählen. In Dover konnten wir von der Fähre aus einen herrlichen Sonnenuntergang erleben. Nach nur 9 Stunden kamen wir zu Hause an.
Es war ein grandioses Wochenende mit gigantischen Pferden und ich habe die Faszination Shire so sehr genossen. Wir sind im nächsten Jahr sicher wieder dabei, aber diesmal wird trotz meiner Flugangst geflogen, die Fahrt ist einfach zu lang für ein Wochenende.
Bis zum nächsten Jahr in Peterborough,
eure Melanie Hille
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