MariethLadyLucinda
ein Shire Horse entdeckt die Welt ...

Pimp my Shire - Luci geht auf Reisen...

Auch in diesem Jahr fand das Schauvorbereitungsseminar „Pimp my Shire“ bei Jennifer Hermann und Patrick Lange auf ihrer Anlage „Hof Schönborn“ in Katzenwinkel im schönen Rheinland Pfalz statt.

Ich war wie beim letzen Mal auch diesmal eigentlich nur als Helfer eingeplant. Jenny versuchte mich davon zu überzeugen, meine Luci mitzunehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber noch keine einzige Sekunde Verladetraining mit Luci gemacht. Man muss dazu sagen, dass ich durch mein erstes Pferd in diesem Punkt traumatisiert bin. Also vereinbarten wir, dass ich mit dem Verladetraining beginnen und am Samstag Jenny´s Hänger von der Arbeitssitzung mitnehmen würde. Am Sonntagmorgen würde ich einfach einen Versuch starten und entweder mit oder ohne Pferd ankommen.

Verladetraining bevor es losgeht...

Allerdings war ich zunächst eine Woche im Urlaub, so dass ich nur eineinhalb Wochen vorher mit dem Verladetraining anfangen konnte. Zwischendurch war ich noch vier Tage verreist und konnte somit nicht so intensiv üben, wie ich es gerne getan hätte.

Die erste Einheit „Verladetraining“ führte ich mit leerem Hänger durch. Alle Innenteile waren ausgebaut, so dass Luci viel Platz hatte. Beide Rampen (vorne und hinten) waren offen. Luci musste nur hinten rein und vorne wieder aussteigen. Das klappte auch recht gut. Sie stieg direkt ein, schnüffelte alles ab und ging mit mir vorne wieder raus. Die zweite Einheit begann zunächst auf die gleiche Weise. Danach baute ich die Innenteile wieder ein und klappte die Wände beide schräg. Luci stampfte wie zuvor durch den Hänger. Dies wiederholte ich dreimal, aber eigentlich nur zu meiner eigenen Beruhigung. Während Luci nämlich total locker blieb, schlackerten mir die Knie. Mir stecken Laila´s Ausraster noch so in den Knochen, dass meine Alarmglocken ständig auf Anzeichen eines Ausflippens lauschen. Mir war bewusst, dass sich das aufs Pferd übertragen könnte. Außer zu versuchen es zu unterdrücken und ruhig zu bleiben, konnte ich nicht viel machen. Schließlich musste ich mein Trauma auch überwinden. Also fasste ich meinen Mut zusammen und stellte die vordere Wand gerade und hängte links und rechts die Stangen ein. Luci stieg die ersten Schritte wieder munter in den Hänger. Doch dann blieb sie stehen und drehte sich um. Ich versuchte so unschuldig wie möglich aus der Wäsche zu gucken. Luci ging bis zur Stange bis ihre Brust sie berührte. Sie schaute sich nach hinten um, so nach dem Motto, gleich macht einer hinten zu. In aller Ruhe, die ich aufbringen konnte, öffnete ich vorne die Stangen. Hängte die Wand ein, so dass sie schräg stand und verließ gesittet und geordnet mit Luci den Hänger. An dieser Stellte musste ich die zweite Einheit abbrechen, weil mich der Mut verließ, obwohl doch alles gut klappte. In dem Moment wäre mir am liebsten gewesen, wenn jemand anderes mein Pferd transportieren würde und ich gar nicht dabei wäre.

Am nächsten Tag trat ich mutig die dritte Einheit an und Luci verhielt sich so unkompliziert wie zuvor. Ich war auch schon ein bisschen ruhiger. Mutig organisierte ich mir einen Helfer, der mir die hintere Stange einhängen würde. Luci zeigte sich wie zuvor total cool, ganz im Gegensatz zu mir.

Die letzten Tage vor der großen Reise kam ich nicht mehr zum Üben. Am Samstag fand die Arbeitssitzung auf dem Hof Schönborn statt. Die Sitzung verlief sehr konstruktiv und während dessen dachte ich nicht über den bevorstehenden Transportakt nach. Je später es wurde, desto mehr übernahm meine Aufregung die Kontrolle. Jeder Gedanke daran verursachte eine Gänsehaut am ganzen Körper. Zum Glück war ich nicht alleine mit meinen Ängsten.

Die Anreise...

Nach einer für mich etwas unruhigen Nacht machten wir uns auf den Weg zum Stall. Während ich mich bemühte, Torsten nicht wieder mit meinen wirren Gedanken voll zu quatschen – was mir im übrigens nicht gelungen ist – näherten wir uns zunehmend dem Stall. Ich bemühte mich um ein Erscheinungsbild als „Coole Socke“ und bepackte das Auto mit den notwendigen Utensilien. Nachdem alles bereits war, schlurfte ich mit der größten Gelassenheit, die ich aufbringen konnte zur Luci und pflückte sie von ihrem Paddock, um schließlich genauso den Hänger mit ihr zu betreten. Luci spielte brav mit und stellte sich in den Hänger. Dann passierte etwas, was ich bisher immer anderes erlebt hatte: Als Torsten die Einstiegsrampe schloss, passierte außer einem Kontrollblick nichts weiter. Luci stand auf ihren vier Beinen und guckte mich an. Schließlich folgte der zweite Teil meiner persönlichen Gruselshow, wir schlossen die vordere Rampe und das Fenster. Luci stand ruhig und schaute nur durchs Fenster.

Mich trieb aber immer noch meine Unruhe und Unsicherheit an und wir setzten uns zügig ins Auto und fuhren los. Meine Hände zitterten wie verrückt, aber dennoch schaffte ich es irgendwie ruhig zu fahren. Jedes Mal, wenn ich Luci wiehern hörte, zuckte ich mental zusammen. Ganz langsam schaffte ich es zur Ruhe zu kommen und mit der zunehmend zurückgelegten Strecke konnte ich mich mehr entspannen.

Jeder wird sich fragen, warum ich mir das antue. Mit Laila habe ich einiges durchgemacht. Mittlerweile habe ich zwei fremde Pferde gefahren und gemerkt, dass ich da überhaupt keinen Stress mit hatte. Also war mir klar, dass ich selber mein eigenes Pferd verladen und fahren muss, damit ich meine Angst davor verliere.

Der nächste aufregende Punkt kam beim Ankommen auf mich zu. Ich fragte mich, wie Luci reagieren würde. Würde sie geduldig warten oder in Hektik verfallen. Als die Klappe aufging, stand sie da, wie ein Fels in der Brandung und schaute mich an. Nur ihr Halfter hatte sie demoliert und den Verschluss gesprengt. Ich stopfte ihr eine Möhre ins Maul und begann langsam zu begreifen, dass ich ein cooles Pferd besitze. Luci wartete artig, bis ich sie aufforderte mit auszusteigen und folgte mir brav bis in ihre Box. Erst als sie anfing Heu zu fressen, fiel mir endlich ein Stein vom Herzen.

Während ich unglaublich mein Pferd beäugte und erörterte, ob ich nicht doch träumen würde, parkte Torsten das Gespann. Schließlich kam Jenny um die Ecke und begrüßte mich mit einer herzlichen Umarmung, da sie um meine Situation und meine Ängste weiß. Das Seminar konnte nun beginnen. Den Gedanke an die bevorstehende Heimreise konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch gut verdrängen.

Das Seminar kann beginnen...

Das Seminar wurde zunächst mit einem leckeren Frühstück eröffnet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nichts gegessen und mit jedem Bisschen wurde mein Hunger größer. Während des Frühstückes trafen weitere Teilnehmer - sogar aus Belgien - ein. Als wir vollzählig waren begann Torsten Retemeier als Stutbuchstellenleiter des DSHV mit seinem ausführlichen Vortrag über die Geschichte der Shire Horses, einen Exkurs über Blutlienen, die Zuchtkriterien usw.. Zwischendurch beantwortete er geduldig die Fragen der Teilnehmer.

Im Anschluss setzten wir das Seminar im Stall fort, da es nun um das Herrichten der Pferde gehen sollte. An dieser Stelle trat Luci in Aktion. Während ich mich fragte, wie sie das Waschen an einem fremden Waschplatz umringt von Leuten durchstehen würde, stand sie bereits artig am Platz und Patrick erklärte und demonstrierte die Waschung der Behänge. Luci stand brav da und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nachdem alle Füße gewaschen waren, erörterte Torsten die Behandlung der Behänge nach dem Waschen. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als Luci brav und artig ihre Füße nacheinander in die Wanne mit dem Wooden Flouver stellte. Als es im Anschluss zum Einflechten ging, war es jedoch aus mit der Ruhe.

Die erste große Hürde bestand darin den Einflechtschmuck an der Mähne der zappelnden Luci anzubringen. Jenny gab sich größte Mühe, aber Luci auch! Der hochgebundene Kopf ärgerte Luci sichtbar und wenn einer an ihre Mähne geht, dann doch bitte zum Kraulen. Jedenfalls ist das Luci´s Meinung zu diesem Thema!

Rein technisch betrachtet legt man auf Genickhöhe zwei Stränge des Einflechtzeugs auf die linke und den dritten Strang auf die rechte Seite des Halses. Im nächsten Schritt nimmt man sich eine kleine Mähnensträhne und teilt sie. Die eine Hälfte wird auf der einen Seite und die andere Hälfte auf der anderen Seite des Stranges geführt, der zur rechten Seite hinunter fällt. Dann teilt man die beiden Mähnensträhnen so auf, dass man eine dritte Strähne erhält und flechtet einen festen Zopf, der den Strang des Einflechtschmucks dicht an den Mähnenkamm drückt. Normalerweise kein Ding, wenn das Pferd still hält!

Eigentlich wollte ich mir den ganzen Einflechtvorgang noch mal in Ruhe ansehen, aber plötzlich kam es anderes als gedacht. Jenny hatte einen Anruf auf ihrem Handy und übergab die ganze Angelegenheit an mich. Also übernahm ich das Einflechten. Luci zappelte immer noch und ich musste mich erst mal wieder in das Einflechten ein denken. Ich versuchte nicht von meiner Erhöhung zu fallen, ordentlich Einzuflechten und das Ganze dann auch noch zu erklären. Ich war froh als Torsten meinem Gestammel ein Ende machte und für mich die Erklärung übernahm.

Nachdem man also das Einflechtzeug gut befestigt hat, fängt man mit dem Einflechten der Stränge an. Dabei ist es viel einfacher ein Einflechtzeug zu nehmen, bei dem die Stränge nicht aus vielen einzelnen Wollfäden bestehen, sondern aus einem Stück Schaumstoff, dass mit Stoff umnäht ist. Das hatte ich bei der Auswahl nicht bedacht und mir natürlich eines aus Wolle genommen. Nun musste ich neben Luci´s Gezappel auch noch mit der Mähne kämpfen, die sich ständig in den Wollfäden verwickelte.

An dieser Stelle würde ich jetzt gerne erklären, wie man beim Einflechten vorgeht, aber das würde nur zu einem endlosen Wort- und Satzchaos führen. Man muss es einfach sehen! Vielleicht schaffe ich es mal eine Fotodokumentation zu verfassen….irgendwann!

Wichtig ist, dass man von beiden Seiten Mähnesträhnen versteckt mit einflechtet und natürlich die Fähnchen nicht vergisst mit einzuflechten. Eigentlich ganz simpel, wenn man es einmal verinnerlicht hat und das Pferd still hält.

Nun ja, irgendwann war ich dann mit dem Einflechten fertig und zwar genau im richtigen Moment, denn die bestellten Familienpizzen waren da. Ich entließ Luci in ihre Box. Eigentlich müssen eingeflochtene Pferde die gesamte Zeit mit hohem Kopf stehen, weil sich sonst beim Fressen der Einflechtschmuck verzieht. Aber es Luci nicht antun, die ganze Zeit angebunden in der Box zu stehen.

Nachdem wir uns beim Essen gestärkt hatten, ging es mit dem Einflechten des Schweifes weiter. Jenny übernahm nun wieder. Zunächst muss man am Schweifansatz so viel Schweif abtrennen, dass es ausreicht daraus zwei Basthörnchen und den Dutt für den Schweifring herzustellen. Das ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Im folgenden Schritt flechtet man einen Zopf aus der mittleren Strähne. In den Zopf flechtet man zusätzlich einen schwarzen Schnürsenkel mit ein, um später den Dutt festzubinden. Allerdings nicht wie üblich von außen oben drüber in die Mitte, sondern man legt die Strähnen jeweils von rechts bzw. links von unten in die Mitte und flechtet damit nach oben. Anschließend steckt man das Ende des Zopfes dicht an der Schweifrübe von oben durch die Mitte des Zopfs und dreht den Rest zu einem Dutt zusammen. Anschließend baut man rechts und links neben den Dutt die beiden Basthörnchen. Im Prinzip funktionieren die wie das Hörnchen bei der Mähne, nur dass man noch zusätzlich jeweils ein Fähnchen an den Hörnchen befestigt. Zum Abschluss befestigt man den Schweifring am Dutt und verziert das Ganze mit Bändern und einer Schleife.
Nachdem alle Pferde aufgepimpt waren, ging es in einer Karawane zum Reitplatz. Zwar hatte es endlich aufgehört zu regnen, aber der Platz hatte das Wasser sehr gut gespeichert, was uns ein Gefühl von Wattwanderung bescherte. Allerdings konnte das unsere gute Laune nicht mindern.

Unter der Anleitung von Torsten Retemeier wanderten wir gemäß einer Zuchtschau auf einem großen Kreis auf dem Reitplatz entlang. Während dessen erklärte uns Torsten das richtige Präsentieren des Pferdes während dieser Phase. Jeder bekam Tipps und praktische Unterstützung. Während der gesamten Vorführung ist es wichtig, dass man den Kopf des Pferdes oben behält. Bereits nach kurzer Zeit wurden dem ein oder anderen der Arm lahm. Während der Aufstellung wurde das richtige Hinstellen des Pferdes geübt und anschließend das Vorführen des Pferdes erklärt. Ich empfand den ganzen Prozess als sehr anstrengend und bewundere die Leistung des Vorführers und ziehe meinen Hut vor denen, die mehr als ein Pferd am Tag vorstellen.
Als wir die Pferde zurück in die Boxen und auf die Wiesen gebracht hatten und sie ohne Schmuck in ihrer natürlichen Eleganz und Schönheit ihre wohlverdiente Pause genießen konnten, gingen die zweibeinigen Teilnehmer zum gemeinschaftlichen Abschluss in das Seminarhüttchen. Abschließend wurde gegrillt und in entspannter Atmosphäre geplauscht und über künftige Zuchtschauen phantasiert.

Während die Anderen sich entspannten, baute sich in mir jedoch das Thema "Rücktransport zum Stall" auf. Ich wurde immer unruhiger und konnte mich gar nicht mehr richtig entspannen. Also machten wir uns recht früh auf den Weg zurück. Ich war froh, dass Luci so unkompliziert in den Hänger stieg wie zuvor. Auf der Fahrt zitterte ich wie auf dem Hinweg, Luci wieherte zwischen durch. Als wir am Stall ankamen, war sie geschwitzt. Das machte mir natürlich Sorgen und ich hatte abends noch etwas Schwierigkeiten meinen Kopf still zu kriegen, weil er andauernd über Ursachen und Gründe für das Schwitzen nachdachte, was es auf dem Hinweg nicht gab.
Fazit !

Es war ein toller Tag, ich habe wieder unglaublich viel gelernt und gemerkt, wie gerne ich einflechte. Allerdings finde ich das Vorstellen sehr anstrengend und weiß nicht, ob ich das jemals mit meinem eigenen Pferd machen werde. Ich hoffe, dass ich auf der Bundeszuchtschau ein paar Pferde einflechten kann, denn mein Ehrgeiz ist geweckt. Ich bin zwar noch Lichtjahre von einem Einflechtergebniss, das man in Ansätzen als perfekt bezeichnen kann, entfernt, aber ich habe ja noch viel Zeit zum Üben!

Ich habe wieder neue Shiremenschen kennen gelernt und kann das Einflechtseminar der Shire Hores Connection wärmstens empfehlen! Vielleicht sehen wir uns ja beim nächsten Mal!

Melanie Hille
Melanie Hille
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